NEXT impressions…

Hi…

ich war gerade auf der NEXT 2012 in Berlin. Eine extreme Erfahrung, eine ganz andere Sorte Developer wie die, die ich in Las Vegas kennenlernen durfte. Achtung, das ist keine Wertung!! Aber es sind total unterschiedliche Eigenschaften. WIE GEIL DIESE INDUSTRIE IST ;-)

Witzig fand den Messestand der Telekom.

 

 

Oder den Zettel Kasten….

 

 

Welcome to the startup world ;-)

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B2B2X – What the heck…??

Hi…

Genau so eine Email habe ich bekommen. Kaum hatte ich meinen neuen Titel eingetragen, bekam ich Glückwünsche und die Frage, was jetzt eigentlich B2B2X heißen solle. Gute Fragen verdienen gute Antworten.

Zugegeben der Begriff ist etwas sperrig. Aber ihr seid in besten Händen: Ich habe Physik studiert. Zunächst einmal zur Aussprache. Der Begriff muss englisch ausgesprochen werden, sonst gibt er keinen Sinn (OK, bisher habe ich noch kein „Aha“ von Euch erwartet). Dann lautet er „Be to Be to eX“. Nächste Überraschung: Be steht für Business. Jetzt wird es aber ernst.

Wir befinden uns in Software Ecosystems [1]. D.h. wir haben Endkunden im Consumer Bereich und im Business Bereich. Das X soll für Consumer oder Business stehen.

Eigentlich müsste der Begriff daher so aussehen:

Jede Zeile in diesem Vektor (das mehrzeilige Ding in geschweifter Klammer) steht für ein Ecosystem [2] [3]. Innerhalb dieser Ecosysteme gibt es die „App-Economy“ [4]. Also Entwickler von groß bis ganz allein, die Apps schreiben für Consumer oder Business. Die Telekom ist Teil dieser Ecosysteme, logischerweise als Telko; aber auch als App-Developer. Soweit ist das erst mal nix Neues.

Was könnte man aber jetzt diesen App-Developern noch Gutes tun (und das meint das erste B)?? Wir denken Dreierlei:

(1)    APIs. Die Telekom hat schon sehr lange eigene APIs veröffentlicht. Zu finden sind diese im Developer Garden. Schaut man sich das Angebot an, denkt man unweigerlich „Guter Anfang“. Ja, da gibt es viel mehr. Wahrscheinlich braucht es nur jemanden, der ein wenig kitzelt und eine entsprechende Plattform anbietet. Voila, unsere erste Aufgabe. Weiterhin sollte die Telekom aktiv an der Standardisierung von solchen APIs mitarbeiten. Ja, tun wir.

(2)    Code-Samples, Whitepapers, SDKs, fertige Klassen, kleine Beispiel-Apps – rund um das Thema, wie man diese APIs und anderes nutzt. Damit können wir es den Entwicklern so einfach wie möglich machen unsere APIs zu nutzen oder einfach generell Software zu entwickeln.

(3)    Business-Modelle. Derzeit werden viele verschiedene Modelle gehandelt: Werbe-Finanziert, Freemium, Lizenz, Marketing-App, Affiliate-Marketing… So richtig toll ist das Alles nicht. Man muss meist verschiedene kombinieren, um ein einigermaßen Auskommen zu haben. Einfach ist meist auch anders. Nun ja, da hätten wir auch ein paar Ideen.

So, macht jetzt B2B2X Sinn?? Wie die einzelnen Elemente in Realität aussehen, das erzähle ich ein andermal.

CU

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Bezüge:

[1] D. Dhungana, I. Groher, and E. Schludermann, “Software ecosystems vs. natural ecosystems: learning from the ingenious mind of nature,” ECAS Conference, pp. 96-102, 2010.

[2] P. R.J. Campbell and F. Ahmed, “An Assessment of Mobile OS-Centric Ecosystems,” Journal of theoretical and applied electronic commerce research, vol. 6, no. 2, pp. 11-12, 2011.

[3] R. C. Basole and J. Karla, “Entwicklung von Mobile-Platform-Ecosystem-Strukturen und -Strategien,” Wirtschaftsinformatik, vol. 53, no. 5, pp. 301-311, Aug. 2011.

[4] D. MacMillan, P. Burrows, and S. E. Ante, “Inside the app economy,” Business Week, New York, pp. 2-7, 2010.

 

IMPACT 2012 in Las Vegas

Hi…

Ich komme gerade von der IMPACT 2012 aus Las Vegas. Es ist eine sehr große IBM Veranstaltung rund um Websphere (und da gibt es viel „Rund um“) – rund 8.500 Teilnehmer. Für mich war es seit Jahren mal wieder ein direktes Zusammentreffen mit „IT Heavy Industries“. Wow, ich habe Menschen von Walmart getroffen, die das zentrale Management der Registrierkassen machen. Oder die Kollegen, die das Backend-System von Delta-Airlines betreiben. Ein sehr interessanter Schlag von Menschen. Viele betreiben ihre Host-Systeme seit Jahrzehnten und können mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. Und generell sieht man den PC auf der gleichen Stufe wie ein iPad. Klar, der Rock’n’Roll geht natürlich auf den Backend-Systemen ab.

IMPACT 2012 - Pass and ProgramAuch sehr cool war zu sehen, wie sie teilweise echte Designer-Maschinen dabei hatten. Mac Book Air, Ultra-Books, what so ever… sie haben das ganze Design dann genutzt eine Shell auf zu machen und ein wenig in der 1970er ASCII Metapher zu schwelgen. Die STRG Taste war immer ganz abgewetzt. Schon witzig, da hätte mein Uralt-Dell Studio eigentlich einen besseren Job gemacht.

Für mich sehr interessant war das Thema SOA versus RESTful. Schließlich arbeite ich jetzt als RESTful Service Provider (siehe die Developer Garden APIs der Telekom). Und ja, SOA war (noch) ein Thema und wurde viel diskutiert. Was nicht deutlich rauskam (wenigstens kam es mir so vor) war die Tatsache, dass so lustig RESTful ist, man sich damit einige Problemchen einhandelt.

Ein großer Teil des Overheads bei SOAP kam aus der Semantik, die man den Webservices mitgegeben hat. Bei REST ruft man eine API und bekommt irgendwas zurück. Was man da hat und wie man es weiter verarbeitet, liegt dann in der Aufgabe des Frontends. Da gab es dann best-practices zu sehen (Abruf eines Aktienwerts), der dann „13.54“ zurück geliefert hat. Schön. Ich gehe mal davon aus, es handelt sich um den Aktienkurs in Euro oder Dollar oder süd-bengalische Muschelscherben. Scheinbar eine Zahl (hoffentlich immer eine Zahl, weil meine Routine wahrscheinlich sich an Buchstaben verschlucken könnte). Wie aktuell ist der Kurs denn (aka Timestamp wäre cool). Und das sind nur meine Bedenken nach 20 Sekunde nachdenken… Die Semantik kommt dann per Code-Snippet und per Doku, die hoffentlich gut gelesen wird.

Äh, Einspruch, Euer Ehren. Ich hätte eine alternative Idee. Wir brauchen Komponenten, die einem dieses Plumbing abnehmen. Kleine Blackboxes, die ich einbinde und gut is‘. Was rauskommt ist im guten OO Sinne formatiert und fertig.

Nächster Gag: Batch-Processing. Wenn ich jetzt nicht nur einen Aktienkurs haben mag, sondern viele. Hoffen wir mal, dass der Programmierer sich dann der Batch-Routinen bedient und nicht einzelne Werte per Schleife. Man hat ja schon viel gesehen. Wieder könnten Komponenten helfen.

Oder: Asynchrone Aufrufe. Geht ja alles, wenn man es kann und hoffentlich richtig macht. Sicherheit nächstes Thema.

Es gibt also viel worauf jeweils eine Seite bei der API Entwicklung bzw Verwendung achten müssen. Fertige high-level Komponenten helfen…nur wo her bekommen???

Schlussendlich: Sehr interessant zu sehen, dass IBM mit einigen Produkten das Thema OpenAPI ernst nimmt und angehen will.

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Presse Spiegel: Frank Fischer verläßt Microsoft

Hi…

wow, mein Weggang bei Microsoft hat mehr Wellen geschlagen, als ich mir das je träumen hätte lassen. Anbei eine kleine Liste mit Hyperlinks (wobei ich den Tenor nicht immer teile, “hinschmeißen” ist es nicht…)

Nicht öffentlich sind natürlich die vielen FB-Messages und Emails von meinen Microsofties. Wer so viel gutes Karma geschickt bekommen hat wie ich in den letzten 10 Tagen, ist ein sehr reicher Mensch. Danke Euch!!!

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http://www.onlinekosten.de/news/artikel/47774/0/Deutscher-Windows-Phone-Chef-schmeisst-hin

http://www.teltarif.de/microsoft-windows-phone-frank-fischer-telekom/news/46436.html

http://bazonline.ch/digital/mobil/Siebenmal-leider-nein-Nokia-droht-im-Schlamassel-unterzugehen/story/11473114

http://www.wuv.de/nachrichten/unternehmen/frank_fischer_verlaesst_microsoft_deutschland

http://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-regional/microsoft-deutschland-besetzt-chefposten-23733520.bild.html

http://www.basicthinking.de/blog/2012/04/18/massenweise-hiobsbotschaften-uber-windows-phone/

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Microsoft-Deutschland-sucht-neuen-Chef-fuer-Windows-Phone-1542036.html

http://www.mobile-zeitgeist.com/2012/04/19/topnews-windows-phone-chef-fischer-wechselt-zur-telekom/

http://www.gfm-nachrichten.de/news/aktuelles/article/microsoft-verliert-frank-fischer.html

http://blogs.technet.com/b/microsoft_presse/archive/2012/04/16/frank-fischer-widmet-sich-neuen-aufgaben.aspx

http://www.areamobile.de/news/21371-microsoft-windows-phone-chef-verlaesst-das-unternehmen

http://www.computerwoche.de/management/it-macher/2509889/

http://www.pcwelt.de/news/Personalie-Windows-Phone-Chef-verlaesst-Microsoft-Deutschland-5763578.html

http://derstandard.at/1334531069913/Wechsel-Microsoft-Deutschland-besetzt-Chefposten-fuer-Windows-Phone-neu

http://business.chip.de/news/Microsoft-Chef-der-Windows-Phones-geht_55527856.html

 

Wann sollte man auf seine Benutzer hören??

Hi…

Ich war gerade auf einer Podiumsdiskussion rund um das Thema Apps. Ein wesentlicher Aspekt war das App Design und ein Tenor war: „Auf seine Benutzer hören“, stetig nach Feedback fragen, UX rules… Als die Diskutanten dann mal ganz konkret gefragt wurden, kam dann doch wieder der gute alte Henry Ford („Wenn ich meine Benutzer gefragt hätte, was sie wollen, dann hätten sie schnellere Pferdewagen gewollt.“). Steve Jobs wurde zitiert als jemand, der nie auf Benutzer hörte und trotzdem Alles richtig gemacht hätte…

Ich habe eigentlich die ganze Zeit auf einen Begriff gewartet: Den Innovationsabstand. Der kam aber leider nicht.

Vorab: Man sollte immer auf Experten hören und deren Rat suchen. Damit habe ich auch schon die einfache Antwort: Immer dann auf den Benutzer hören, wenn der Experte ist. Damit ist es eigentlich ganz einfach, wann ich auf Benutzer hören sollte und wann nicht.

Was meine ich damit? Jetzt kommt der Begriff Innovationsabstand ins Spiel. Nehmen wir an, wir wollen ein Produkt A bauen, dass ein Problem P löst. Dann sollten wir P Kategorisieren. Ich habe mal 4 Kategorien gesehen, die ich sehr treffend finde:

Einfaches Problem: Sowohl das Problem als auch die Antwort ist bekannt.

Schweres Problem: Das Problem ist bekannt, aber es fehlt noch eine richtige  Antwort.

Sehr schweres Problem: Wir haben irgendwie eine Antwort, können das Problem aber nicht wirklich fassen (und von denen gibt es mehr als man denkt)

Verzwicktes Problem: Wir kennen weder das Problem noch eine richtige Antwort darauf.

Solange ich kein verzwicktes Problem angehe, sollte ich meine Benutzer befragen. Sie haben ein Gefühl was das Problem oder ihre bisherige Reaktion – sprich- Lösung – darauf war. Ich biete die gleiche Lösung nur schicker, netter. Oder habe eine ganz neue Lösung. Oder mache ihnen das Problem erst mal bewußt und biete dann die Lösung. Hier ist ein Benutzer sehr hilfreich, weil er sich hineindenken kann und viele gute Anstöße und Kritik liefern kann. Gekauft!!!

Der gute Herr Ford hatte aber das Problem, dass es keine Benutzer gab. Wen hätte er fragen können?? Es gab Experten und die haben sich wahrscheinlich in das Lager der „Geht so nicht“ und in das „Auf jeden Fall wird es so kommen“ aufgeteilt. Wen auch immer er gefragt hätte, es wäre schwer gewesen mehr Wissen zu haben wie Ford selbst hatte (wenn man trotzdem so jemanden gefunden hat, unbedingt als Quelle sichern). Und am Ende war es ein Ratespiel und das Problem so existierte und die Antwort so passte.

Ich denke, man kann an dieser Kategorisierung den Begriff des Innovationsabstandes ablesen. Je weiter unten sich meine Frage und Antwort einsortiert, desto größer ist eben dieser Abstand. Je größer der Abstand, desto weniger Experten gibt es und desto weniger Sinn macht es diese zu fragen.

Wichtig: Der Innovationsabstand wird über die Zeit immer geringer. So wie uns Autofahren heute normal erscheint und wir auch das kapazitive Touch-Display am Handy gelernt haben.

Einfach, oder??

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Me and T

<Copy Post von meinem alten Blog http://blogs.msdn.com/b/frankfi >

Hi…

Nach 3.405 Tagen werde ich am 30.4. Microsoft verlassen. Alleine diese beeindruckende Zahl (ich selbst erschrocken wie groß sie ist) zeigt, wie prägend diese Zeit war. Ich habe angefangen als Developer Evangelist; durfte das Team der Evangelisten leiten (oder sie mich, wie man es nimmt). Ich habe Kleiderschränke voll mit T-Shirts und Hemden aus der Zeit von Visual Studio.NET und Windows Vista. Ich durfte Marketing auf die Microsoft-Art lernen: „Wenn du meinst Du kannst es, mach‘ halt und zeig‘ was Du drauf hast“. Dann hatte ich zwei Jahre die Chance eines der wichtigsten Produkte für Microsoft mitgestalten zu dürfen: Windows Phone. Das war eine ganz neue Industrie und Erfahrung. Neue Menschen, die mir viel beigebracht haben. Alleine der Versuch 3.405 Tage in Worte zu fassen, muss wohl in 3.405 Seiten ausarten; daher werde ich das mal sein lassen. Vielleicht auch, weil ich ansonsten zu sentimental werden könnte. Entschuldigung für die saloppe Sprache, aber WAS FÜR EINE GEILE REISE!!!

Ich durfte bei Microsoft viel sehen und lernen. Ich hatte Technik, Menschenführung, Marketing, Consumer-Marketing und auch ein wenig Sales. Ich habe vor vielen und vor wenigen Menschen präsentiert, vor den ganz Großen und vor den wahren Entscheidern, den Konsumenten. Das Wichtigste, was ich lernen durfte, ist Respekt vor Menschen. „Never try to be greater than your front line“. Ich habe versucht, so viel ich konnte, zurück zu geben. Trotzdem, glaube ich, stehe ich bei den Microsofties in den Miesen – ich habe mehr bekommen, als  ich je zurückgeben kann. Wir haben gekämpft und geheult,  Erfolge erzielt, Preise gewonnen, gefeiert. An Euch alle – und Ihr wisst wen ich meine – ein DANKE!!

Ich habe mich trotzdem entschlossen, den nächsten Schritt zu machen. Mittlerweile ist dies so ein geflügeltes Wort unter uns professionellen Business-People geworden, aber ich meine das viel ernster. Ich habe mir lange Gedanken gemacht und ich habe mich entschieden diesen Schritt zu tun. Es ist ein Schritt, der für mich persönlich ein Lebensabschnitt schließen und einen neuen beginnen lässt. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich  ein Afficionado bin; „a man on a mission“. Ich bin nur gut, wenn ich total überzeugt bin. Das hat mich zu Microsoft gebracht, zu Visual Studio und zu Windows Phone. Das treibt mich weiter. Also, zuerst das Warum und dann das Was.

Es gibt ein paar Dinge, die mich ausmachen-zumindest sagen das alle, die das wissen sollten: Ich bin Technik verliebt, vor allem Software-Entwicklung liegt mir total. Ich bin ein Evangelist, kombiniere einigermaßen ordentliche Ausdrucksweise mit Energie. Ich liebe es im Team zu arbeiten, da andere mich ergänzen und meine Schwächen ausgleichen. Und, ich habe den quirrligsten Teil der ITK Industrie schätzen gelernt: Den Mobilfunk. Mein derzeitiger Job hatte viel davon…

Dann kam da aber ein Angebot; ich sollte sagen, das Angebot. Eine Position bei einer Firma, die mich beide extrem reizen. Ich werde in der Gruppe B2B2X bei der Deutschen Telekom AG, Products and Innovations, mich um das Thema Software und Plattform kümmern. Ab jetzt werdet Ihr viel davon lesen und hören – dafür werde ich schon sorgen ;-) Daher nur ganz kurz vorab in einem Satz: Die Deutsche Telekom AG ist auf dem Weg in die App Economy und ich darf Teil der Expedition sein. Diese Chance ist einmalig und sie verbindet viele Aspekte, die mich magisch anziehen: Ein Startup im Global Player, Software und Technik, Mobilfunk, Evangelism, cooles Team, coole Aufgabe. Sorry, ich konnte nicht nein sagen. A man on a mission.

Für alle, die mich jeden der letzten 3.405 Tage genießen haben lassen: Ich verbeuge mich und werde unsere Zeit nie vergessen. Wir bleiben in Kontakt. So, jetzt auf zu Neuem…

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Software Ecosystems – Ein Kommentar

Hi…

Ein Artikel von Burkard, Widjaja und Buxmann „Software Ecosystems“ http://www.springerlink.com/content/90l2342413q38153/ (SlideDeck: http://wifo4.bwl.uni-mannheim.de/fileadmin/files/presentations/3EP_Burkard_ea.pdf)  hat mein Interesse geweckt.

Im Wesentlichen wird das Thema Software Ecosystems (oder kurz SECO) sowie die unterliegende Literatur reflektiert. Dabei werden drei wesentliche Rollen in solch einem SECO unterschieden:

Zunächst der „Hub“, sprich ein Marktplatz mit einem gewissen Fokus. Der Artikel verschweigt etwas, dass aus der Historie Plattform unabhängige Marktplätze wie tucows bekannt sind. Die modernen, gerade im Zuge von Mobilfunk und Cloud entstandenen und natürlich sehr erfolgreichen Marktplätze haben zumeist einen sehr klaren Plattform Fokus. iOS, Android, Windows Phone, Salesforce, Azure, SugarExchange sind ein paar Beispiele. Vielleicht ist das gerade das Erfolgskonzept. Nicht nur eine sehr enge Integration in die jeweilige Plattform, sondern die klare Positionierung in den Augen der Kunden als der „One-Stop-Shop“ (mal iTunes und iOS als Beispiel, WP macht es nicht anders).

Auch die Strategien der „Hubs“ (basierend auf Bosch (http://janbosch.com/Jan_Bosch/Publications_files/SPLC09-SoftwareEcosystems-Accepted.pdf) – Keystone, Physical und Value Dominator genannt) würde ich etwas anders fassen. Zunächst würde ich den Zustand „uncontrolled“ und „guarded“ unterscheiden. Im PC Markt hatten wir jahrzehntelang einen unkontrollierten Zustand (man konnte lustig installieren was unter die Maus kam, jeder konnte Software überall in jedem Zustand und mit jeder Absicht veröffenlichen). Android gleicht auch sehr stark diesem Konzept. Der große Vorteil sind geradezu kambrische Zustände, die zu einem der kambrischen Explosion vergleichbaren Effekt führen können (damals waren die Zustände auf Erden so paradisisch, dass sie eine nie wieder da gewesene „Explosion“ an neuen biologische Arten hervorbrachten). Also, uncontrolled heißt innovativ, schnell, aber auch unsicher, eine enorme Menge qualitativ schlechter Software und ein paar Diamanten dazwischen. Konsequenz: Die Verteidigung der Sicherheit muss auf dem Client stattfinden und es werden Mechanismen notwendig, die Diamanten zu finden. Also, es muss ein Nachtwächter her, ein Guard. Apple und Microsoft haben von Anfang an die Rolle des Wächters gespielt und Qualitätskriterien definiert und durchgesetzt. Android folgt ein wenig, mal sehen was noch machbar ist. Prinzipiell wird es weniger Innovation auf einer bewachten Plattform geben und sie wird auch langsamer sein, dafür sicherer und mit höherer Qualität. Natürlich kann die Rolle des Wächters auch mißbraucht werden. Man kann sich unliebsame Konkurrenz vom Halse halten. Dann wird der Wächter zum Tyrann. Aber immer nur in bestimmten Bereichen und immer nur auf Zeit. Der Tyrann riskiert, dass sein Ecosystem rebelliert und sich Alternativen schafft – einen Weg um den Wächter herum oder ganz übel, in ein neues Ecosystem abwandert.

Update: Siehe hierzu auch http://www.scielo.cl/pdf/jtaer/v6n2/art06.pdf

Weiterhin benennt der Artikel den Nischenanbieter, der spezialisierte Produkte rund um die Plattform anbietet und über den Marktplatz vertreibt. Leider verwischt die Definition mehr, wie dass sie erklärt. Ich würde nähmlich drei Arten von Nischenanbieter sehen. Zunächst den, den wir uns alle darunter vorstellen: Einen Software-Hersteller (Independent Software Vendor oder ISV), der eine App baut und über den Marktplatz vertreibt. Im Artikel wird ein wenig auf die Erlösmodelle eingegangen, aber im Wesentlichen nur auf die Form Lizenz. Darf man MixPanel vertrauen, wandelt sich das gerade extrem (http://www.surfmobee.com/?p=3023 ) . Das Problem ist, dass auf einem uncontrolled Ecosystem namens Android der Pogo abgeht und leider Lizenz hier nicht funktioniert. Ich habe mal die Zahl 95% Piracy gehört, da funktioniert Lizenzen verkaufen nicht wirklich. Themen wie In-App-Purchase, Werbung, Pay-Per-Use werden plötzlich interessant.

Neben dem Software-Hersteller würde ich noch Content- und Service-Anbieter sehen. Als Beispiele für Content-Anbieter sehe ich Verlage, Social-Networks, Wetter-Dienste, Suchmaschinen… Sie bieten per API Zugriff auf ihre Inhalte für entweder eigene Apps (damit treten gleichzeitig als ISV auf) oder Apps anderer Hersteller. Als Service-Anbieter würde ich alle sehen, die Transaktionen durchführen. Typischerweise also E-Commerce aber auch Telcos, die SMS verschicken, oder E-Government. Der wesentliche Unterschied wird im Geschäftsmodell liegen. Als Service-Anbieter habe ich es einfach, weil die Transaktion mit Geld zu tun hat und ich daran partizipieren kann. Als Content-Anbieter muss ich die Umsonst-Mentalität des Internets überwinden; direkte Verwertung ist noch sehr schwer, indirekte über Werbung nicht immer profitabel.

Durch die Existenz dieser zweiten Klasse der Nischenanbieter, den Content- und Service-Anbietern, existiert plötzlich noch ein weiterer Marktplatz. Es geht um APIs und fertige Software-Schnippsel (für OO Developer: Components), die diese Content- und Service-Anbieter ihren Kunden, den ISVs, offerieren müssen. Ein Ecosystem verdient seinen Namen meines Erachtens erst dann, wenn auch Content- und Service-Anbieter sich für diesen Bereich interessieren. Sie stellen dann für die Plattform spezifische Komponenten zur Verfügung und machen es den ISVs einfach diese zu nutzen.

Nachfolgende Grafik soll den Flow mal visualisieren. Blau sind dabei App-, gelb Komponentenströme.

Bliebe noch die Frage nach dem Kunden als solchen, aber das ist ein ganz eigener Post.

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