Hi…
<Updated: Danke an Nadine Zoar für die Hinweise
>
Sascha Lobo hat es aufgegriffen, die Zukunft der Desktop-Metapher.
In Teilen bin ich ganz der Meinung von Sascha. In anderen nicht.Aber der Reihe nach…
Desktop-Metapher – Was ist das??
Als man in den 60er Jahren sich Gedanken über grafische Oberflächen von Rechnern gemacht hat (und nein, das war nicht Apple bei denen man diese Erfindung tätigte), lag es nahe eine Metapher zu wählen, die dem Benutzer bekannt war. Der allgegenwärtige Schreibtisch (aka Desktop). Es gab Akten (aka Files), Ordner (aka directories). Eine Akte gab es nur einmal und wenn ich sie zweimal irgendwo ablegen wollte, musste ich eine Kopie anlegen (typisch für Dateisysteme bis heute). Niemand wäre auf die Idee gekommen alle Akten in einen Ordner zu hängen und dann zu suchen, wenn man was brauchte. Heute: Wer Emails in Ordner sortiert, ist so 90er…
Auch der Bildschirm funktionierte wie der Schreibtisch. Ich konnte Papiere auf einander legen. Sie haben eine Z-Ordnung und überdecken einander. Zumindest in einem Aspekt ist das auch sehr objekt-orientiert. Für den Benutzer werden Daten und Funktionen auf diesen Daten in diesen Fenstern kombiniert.
…jetzt mal heute – Desktop-Metapher??
Heute hat der PC den Aktenordner weitgehend verdrängt. Ich erinnere mich noch, als ich vor Jahren einen neuen Rollcontainer bekommen habe, der ein Hängeregister hatte. Völlig sinnfrei, oder??
Somit hat – und da hat Sascha vollkommen recht – der PC seine Metapher-Mutter obsolet gemacht. Für uns ist heute ein Schreibtisch mehr wie ein PC, wie umgekehrt, oder?? Es wird also offensichtlich durchaus mal Zeit etwas neues zu machen.
Apple hat die alte Metapher sicherlich sehr erfolgreich mit dem iPhone verlassen. Das iPhone hat keine Z-Ordnung mehr. Ein Program hat das Display, damit genug. Die Applikationen sind das Ordnungskriterium, ein sichtbares Dateisystem in diesem Sinne gibt es nicht mehr. Auch Microsoft hat den Prozess schon lange eingeleitet: Suchordner mal als Beispiel. Mit dem Metro Design in Windows Phone kommt jetzt auch der Abschied vom Fenster.
Jetzt muss man aber anerkennen, dass der PC wie wir ihn heute kennen, ist optimiert auf die Desktop-Metapher. Die Maus wurde schließlich genau dafür mal entwickelt. Daher ist es irgendwie auch verständlich, dass die neue Form des PCs – der Tablet – sich irgendwie natürlicher mit einer neuen Metapher bedienen lässt. Und der alte PC sich nicht so wirklich einfügt.
..und der Browser??
Zunächst einmal hat der Browser mit alle dem nichts zu tun. Auch der Browser könnte durchaus eine Desktop-Metapher abbilden. Dafür gibt es schon einige Beispiele. Was neu ist, ist die Tatsache, dass man mit HTML5/CSS/JavaScript eine einigermaßen standardisierte Plattform für Benutzeroberflächen hat. Wie die Oberfläche aussieht ist eine andere Frage.
Offensichtlich hat die Idee, Benutzeroberflächen per Metasprache zu definieren ihren Charme. Mir fallen da Dinge wie Desktop Postscript und XAML ein; alles nicht super neu.
Was heißt das für Betriebssysteme?? Sascha meint ja, Betriebssystem lösen sich auf in der Browserwelt. Erstmal die Frage: Was ist eigentlich ein Betriebssystem?? Die Aufgabe des Betriebssystem ist es, den Rechner für Applikationen “aufzuschließen” und die Verwaltung von Resourcen zu übernehmen. Mittlerweile sind Betriebssysteme sehr reichhaltig und bringen natürlich auch eigene Applikationen für typische Aufgaben mit. Seit geraumer Zeit bieten Betriebssysteme Applikationen verschiedene Möglichkeiten das gleiche zu erreichen. Prominentes Beispiel ist POSIX. Windows – obwohl selbst meilenweit weg von Unix – konnte trotzdem Unix-Programme wenn sie POSIX kompatibel waren bedienen. Gleiches gilt im Prinzip für die Oberflächengestaltung. Was darf es sein?? Win32, XAML, HTML5, DirectX?? Alles hat vor und Nachteile und Einsatzgebiete.
Betrachtet man die Architektur von Windows, stellt man fest: Der Internet Explorer ist bis auf ein kleines Start-Progrämchen, schon lange Teil des Betriebssystems. Daher kann ich auch nur eine Version des IE haben, weil die Bibliotheken im Betriebssystem Windows eben nur einmal vorhanden sind. Architektonisch den Browser als Anzeigemaschine zu verwenden, ist also kein Hexenwerk.
Natürlich ist der Ansatz trotzdem radikal. Projekte wie Boot2Gecko (jetzt Firefox OS) erheben den Browser zur einzigen Möglichkeit Applikationen zu betreiben.
Leider muss ich Sascha auch widersprechen, was die Wichtigkeit des Betriebssystems in einer Browser-Welt betrifft. Selbst wenn für den Benutzer der PC sich vom MAC nicht mehr unterscheidet, unter der Haube ist das ganz anders. Nehmen wir mal Video als Beispiel. Oberflächlich kennt HTML5 ein Video-Tag. Also, Video Tag in die Website eingebaut und losgeht der Multimedia-Genuß? Nein, nicht ganz so einfach. Es gibt derzeit kein Video-Format was von allen Browser-Plattformen gleichzeitig unterstützt wird. Die Tatsache, dass das so locker aussieht für den Benutzer, hat der Entwickler durch mindestens zwei Video-Versionen bezahlt. Und ja, diese Codecs bringt das Betriebssystem mit…oder halt nicht. Auch richtig, je umsonstiger das Betriebssystem, desto weniger von diesen teilweise sehr happigen Lizenzen für Codecs werden bezahlt.
<Updated: Danke an Sascha Wolter>
Das wesentliche Ziel dieses Blog-Posts war es, eine klare Trennung zwischen der jeweils verwendeten Metapher und der unterliegenden Technik zu machen. Will heißen: Desktop-Metapher kann auch auf dem Browser laufen und umgekehrt.
Ebenso, und das war Sascha dann sehr wichtig, geht es bei all den unterschiedlichen Arten von Oberflächen darum,dem Benutzer den Umgang zu erleichtern. Daher wird auch in Zukunft eine Desktop-Metapher ihren Platz haben. Da Rechner aber zunehmend neue Umgebungen und Aufgaben erobern, macht es eben auch Sinn ganz neue Konzepte zu entwickeln.
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